...auf Baltrum
Ausgeschlafen und gestärkt am reichen Frühstücksbuffet im Fährhaus, fahren wir zum Fähranleger Neßmersiel um nach Baltrum überzusetzen. Auf unserem Schiff, der Baltrum 1, wird bereits das Gepäck verladen. Der Fährverkehr zwischen Neßmersiel und Baltrum ist von der Tide abhängig und erfolgt daher entsprechend höchstens zwei Mal am Tag. Gemäß dem Motto „nur Bares ist Wahres“ wird an Bord der Schiffe nur Barzahlung akzeptiert, ein Erwachsenenticket für die Hin- und Rückfahrt kostet 16,50 €. Für uns ergibt sich dadurch ein kleines Problem, ein EC Kartenautomat ist nicht in der Nähe und das Schiff wird in Kürze ablegen. Der Kapitän hat Verständnis für uns „Landratten“ und nimmt uns trotzdem mit. Auf der Insel angekommen, können wir unsere Schuld auch wieder begleichen, zum Andenken gibt es sogar noch ein Foto mit dem Kapitän. Die Fahrzeit von Neßmersiel nach Baltrum beträgt ca. 20 Minuten, als wir auf der Insel ankommen ist es noch früh am Morgen und außer den neu angekommenen Gästen, scheint die Insel noch zu schlafen. Das Gepäck wird hier mit kleinen Handkarren von den Besuchern selber oder mit der Pferdekutsche zu den Gästehäusern transportiert. Wir starten unsere Tour per pedes. Fahrräder, so scheint mir, sind nur den Insulanern vorbehalten, was bei einer Inselgröße von ca. 7,5 x 1,8 km auch verständlich ist.
Der Himmel klart nun langsam auf und auch die ersten Strandbesucher sind in Sicht. Ich mache noch einige Fotos bevor wir einen Dünenweg ins Inselinnere einschlagen. In einem Waldstück entdecken wir einen riesigen Kletterbaum, ein paar Äste höher habe ich schließlich einen fantastischen Ausblick über die Dünenlandschaft. Einen ebenso tollen Ausblick erhalte ich aber auch an meinem nächsten Anhaltspunkt: Der Aussichtsdüne von Baltrum. Ein Schild informiert hier über die unterschiedlichen Schutzzonen des Weltnaturerbe Niedersächsisches Wattenmeer und die dort beheimatete Vogelwelt. Als nächstes suchen wir den Reiterhof Ponte Rosa auf, der auf unserer Inselkarte eingezeichnet ist. Im Moment sind jedoch die meisten Pferde für Kutschfahrten eingeteilt, einen Dünenritt müssen wir daher verschieben. Es ist mittlerweile Mittagszeit, der Himmel hat sich wieder zugezogen und die ersten Regentropfen fallen, die beste Zeit um irgendwo einzukehren. Wir folgen einer Ausschilderung und gelangen kurz bevor der Regen richtig losprasselt zum Café Kluntje. Das Innere des schneeweißen Hauses ist klein und verwinkelt, ein alter Kachelofen, Schränke mit ostfriesischem Porzellan und Sofas mit alten Teddybären geben mir das Gefühl 100 Jahre zurückversetzt zu sein, ich fühle mich sofort wohl und genieße die warme Atmosphäre. Nach einem Stück frischem Apfelkuchen und einem Kännchen Tee geht es weiter mit unserem Inselrundgang.
Wir kommen an überfluteten Wiesen vorbei, an denen zahlreiche Möwen mit lautem Gekreische nach Krebsen suchen. Auf Baltrum befinden sich drei Kirchen, die alte Inselkirche, die große evangelische Kirche und die mit Reet gedeckte katholische Kirche. Besonders angetan bin ich von der kleinen Inselkirche. In die winzige Kirche mit ihren himmelblauen Bänken passen vielleicht knapp 50 Leute hinein. In der Pizzeria „Da Luciano“ essen wir zu Mittag und verfolgen mit ein paar weiteren Fußballfans ein WM Spiel. Auf dem Rückweg zum Hafen machen wir noch einen Schlenker zum Wattenmeerhaus, das ausführlich und anschaulich über den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer informiert. Langsam wird die Zeit knapp, die Pferdekutschen mit dem Gepäck der Gäste und die Besucher mit ihren Bollerwagen pilgern nun zur Fähre. Unser Kapitän erwartet uns schon. Auf der Rückfahrt kann ich auf einer Sandbank Seehunde entdecken und ein paar Möwen begleiten das Schiff zurück in den Hafen von Neßmersiel. Ich bin froh, dass ich heute nicht mehr Auto fahren muss, die frische Seeluft hat mich müde gemacht und ich schlafe nach kurzer Zeit ein und träume von den vielen Eindrücken des vergangenen Wochenendes.




