„De Lucht is bunt“, mit diesen Worten begrüßte uns Johann Gerdes, der Landschaftswart, der uns auf dieser Radtour so spannend begleitete. Diese plattdeutsche Redewendung soll heißen, dass wenn der Himmel „bunt“ ist und die Wolken in vielen verschiedenen Grautönen über einem stehen, kein Regen zu erwarten ist. Tja, so ist das heutzutage mit den Redewendungen; kurz darauf mussten wir unsere Regenjacken rausholen, was der guten Stimmung in der Gruppe keinen Abbruch tat.

Wir starteten vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Stapel. Bürgermeister Enno Ennen begrüßte alle persönlich, um dann mit uns ganz entspannt durch die herrliche Landschaft zu fahren. Die Gegend ist geprägt von Wallhecken, in die sich die Weiden oder die duftenden Rapsfelder sanft einschmiegen. Welch herrlicher Anblick!

In Spols ging es vorbei an Krischans sehenswerten Hof von 1828. Wenn man noch einen alten typisch ostfriesischen Hof sehen will, dann ist seiner der prachtvollste. Laut Landschaftswart Gerdes züchtet er als einer der wenigen in der Region noch das schwarzbunte Niedervieh, die alte ostfriesische Rasse. Diese Kühe geben zwar weniger Milch, sind dafür aber langlebiger. In Oltmannsfehn standen sie plötzlich am Wegesrand: echte Salomonssiegel aus der Familie der Spargelgewächse. Das hatte ich bisher nur in botanischen Gärten gesehen und hier stehen sie einfach neben den Feldern. Nach einer kleine Pause ging’s weiter ins Moor. Eine spannende Geschichte ist das: bis Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Torf dort noch industriell abgebaut. Das, was davon an Moorkrume übrigblieb, konnte gerettet werden und wird heute – unter wissenschaftlicher Aufsicht – wieder vernässt. Auf dem Moorerlebnispfad konnten wir die Torfmoose anfassen, die das Moor wieder entstehen lassen, sahen den Lachmöwen beim Brüten zu, ließen den Blick in die Weite schweifen und gingen über einen Bohlenweg. Dann erzählte uns Johann Gerdes auch noch die Geschichte von der Moorleiche aus dem 19. Jahrhundert, als ein Hamburger Kaufmann mit seinen Golddukaten überfallen und im Moor versenkt wurde. Der Kutscher hatte auf dem Totenbett dann doch noch seinem schlechten Gewissen Luft gemacht und alles gebeichtet, sodass man von dem Hamburger wusste, als man ihn im 20. Jahrhundert fand. Nicht nur das Moor von Baskerville hütet seine dunklen Geheimnisse. Auch das Stapeler Moor lässt vieles entdecken: seltene Pflanzen, die riesigen Bauten eines Bisams oder einfach nur die Schönheit der Natur, die immer wieder Künstler zu ihren Werken inspiriert hat.

Zum Schluss haben wir alle nochmals die Flagge von „Land der Entdeckungen 2013“ der Ostfriesischen Landschaft gehisst: denn in Ostfriesland gibt es immer was Neues und Spannendes zu entdecken. Uplengen will ab 2014 als Erholungsort staatlich anerkannt werden. Wir können das nur begrüßen, bei dem, was hier einen alles an Besonderem erwartet. Dafür drücke ich ganz kräftig die Daumen!

Ihre Katrin Rodrian