Bei meinem ersten Besuch in der Kunsthalle in Emden besuchte ich die aktuelle Ausstellung Lyonell Feininger. Holzschnitte eines Bauhauskünstlers. Eine grundsätzlich eher kleine, für das Thema jedoch große Ausstellung, welche ich hier gleich am Anfang jedem ans Herz legen möchte. Sie endet am 11.05.2014.

Lyonell Feininger (1871-1956) schuf innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes eine immense Anzahl an Holzschnitten. Ein Hochdruckverfahren, das Feininger 1919 an das Bauhaus bringen sollte. Somit stellen die Holzschnitte neben den Gemälden einen wichtigen Bereich im Œuvre des Künstlers dar.

Auch wenn Feininger seinem Stil als Prismaismus bezeichnete, handelte es sich um eine eigene Umsetzung des Kubismus, wie er ihn von Pablo Picasso (1881-1973) und Georges Braque (1882-1963) und deren Epigonen kannte. Jedoch kann bei den Werken Feiningers eine Eigenheit entdeckt werden. Neben den prismatischen Stil lässt sich vor allem das Sujet, also das Bildthema bzw. der Bildgegenstand als Besonderheit herausstellen. So sind es in erster Linie maritime Landschaften und Kirchen, welche von Feininger als Bildgegenstand eingesetzt wurden. Dies gilt neben den Gemälden auch für die Grafiken des Künstlers.
Einen wichtigen Holzschnitt stellt das Titelbild des Bauhausmanifests dar. Auf diesem ist der Holzschnitt einer Kathedrale zu sehen, die wie ein Kristall prismatisch das Licht in alle Richtungen reflektiert. Das „Bauhaus“, welches auch als Synonym für Bauhütte zu verstehen ist, bezieht sich auf die handwerkliche Gemeinschaft beim mittelalterlichen Kirchenbau. Auch wenn diese Sichtweise historisch verklärt war, so ging es dem Bauhausgründer Walter Gropius hierbei um die Erstarkung des Kunsthandwerkes. Gleichsam versuchte man sich der Industrialisierung entgegenzustellen. Gemeint war hiermit die massenhafte Reproduktion von architektonischem Dekor historischer Prägung, wie er seinerzeit unter dem Deckmantel des Historismus praktiziert wurde. Es sollte was eigenständig Neues gestaltet werden, was im Zusammenwirken von Malerei, Bildhauerei und Architektur seine Zielsetzung finden sollte.
Was bei der Ausstellung in der Kunsthalle gut gezeigt wird, ist ein Prozess, welchen Feininger offenbar bei seinen Werken durchlief. Einzelne Motive wurden immer wieder neu bearbeitet. Hierbei muss man sich den Prozess des Holzschnittes vergegenwärtigt werden. Ein handwerklich sehr schwieriges Prozedere, welches viel Körpereinsatz und Vorstellungsvermögen benötigt. Auch hierauf wird in der Kunsthalle an einem Beispiel eingegangen. So liegt hier ein originaler Druckstock Feiningers aus, der erahnen lässt, welche Schwierigkeiten der Künstler zu bewältigen hatte.
Der Holzschnitt war ein veraltetes Hochdruckverfahren, dass für die Industrie durch Einsatz modernerer Verfahren schon lange obsolet geworden war. Insofern stellte das Verfahren eine rein künstlerische bzw. kunsthandwerkliche Methode dar. Gerade dieser Umstand sorgte mitunter dafür, dass Feininger als erster Meister ans Bauhaus berufen wurde.

Zurück zum Prismaismus
Wie erwähnt war Feininger vom Kubismus beeinflusst worden. Es müssen aber auch noch andere Stilrichtungen und die entsprechenden Künstler genannt werden. So zum Beispiel der Orphismus von Robert Delaunay (1885 – 1941).
Delaunay entwickelte ebenfalls eine Form des Kubismus, die jedoch im Vergleich zu Picasso und Braque weitaus farbenfroher war. Für Delaunay waren die Farben das Wesentliche des Bildes und übernahmen die Funktion des Bildgegenstandes, was eine Hinwendung zur Abstraktion und somit zur reinen Malerei bedeutete. Zwar war Feininger von der Stiltechnik seines französischen Kollegen stark beeinflusst, stand aber der Idee der gegenstandslosen, konstruktivistischen Malerei ablehnend gegenüber. Diese Zwiespältigkeit in der Malerei Feiningers gab dieser ihre besondere Prägung. Feiningers Malerei stellt einen klaren Bezug zu einer konstruierten Malerei dar, ohne dabei den Gegenstand des Bildes zu vernachlässigen. Man kann sogar sagen, dass das Motiv durch die Anwendung seines Prismaismus romantisiert wurde. D.h. durch die kristalline Verzerrung gewann das Motiv eine ästhetische Überhöhung. Hier sind wir bei den Künstlern der Romantik, welche ebenfalls einen großen Einfluss auf Lyonell Feininger ausübten. Was die Bedeutung des Lichtes betrifft, denkt man schnell an den Britischen Maler William Turner (1775-1851). Was wiederum die Motive betrifft, so tritt ein anderer Romantiker in Erscheinung: Caspar David Friedrich (1774-1840). Friedrich beschäftigte sich in seinen Sujets auch ausgiebig mit Landschaften, Schiffen und Kirchen. Bei Letzterem insbesondere für gotische Ruinen. Auch Friedrich wusste es, Gegenstände zu romantisieren, ihnen etwas Besonderes zu geben. Feininger und Friedrich folgten somit dem Credo Georg Philipp Friedrich
von Hadenbergs ( Novalis):
“Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.”