Unsere Ostfriesland-Radtour „Alte und neue Häfen“
Reisebericht von Christel und Klaus Völker aus Bingen am Rhein.
Die Fahrradtour hat uns ganz toll gefallen! Deshalb ziehen wir dieses Fazit:
1. Die Gesamttour ist seitens der Ostfriesland-Tourismus-GmbH in allen Details bestens vorbereitet und organisiert!
2. Unsere Empfehlung: Die zusätzlichen Bausteine „Besichtigung“ und „Kulinarisches“ gleich mitbuchen, weil sie die Radtour toll ergänzen und eigenes Suchen erspart bleibt. Es setzt dann allerdings ein klareres Zeitraster voraus, damit man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
3. Die Etappen sind so vorgegeben, dass die Ziele leicht zu erreichen sind, genügend Zeit bleibt für eigene Erkundungen und Interessen. Spontan hängten wir noch eine Woche an, um noch mehr Fischspezialitäten zu verkosten, eine geführte Wattwanderung mitzumachen, eine Inseltour nach Baltrum und zu den Seehundsbänken, den Besuch des einen oder anderen Museums,…
4. Alle gebuchten Hotels erfüllen zumindest die Erwartungen, die meisten übertreffen diese! Überall gibt es ein tolles Frühstücksbüffet, so dass der Radwanderer gestärkt seine Tour antritt.
5. Viele weitere Themenstellungen neben den „alten und neuen Häfen“ sind im Programm: Jeder findet sicher etwas für ihn Passendes.
6. Wir kommen wieder im nächsten Jahr!
zum Angebot "Alte und Neue Häfen"
Ausführlicher Reisebericht
Erste Überlegungen: Wie kommen wohl Binnenländer nach Ostfriesland, um es mit dem Fahrrad zu erkunden? Angefangen hat alles auf der Touristikmesse im alten Schloss zu Mainz. Hier wurde das Interesse geweckt und aus vielen Möglichkeiten die Themenstellung „alte und neue Häfen“ ausgewählt – wohlweislich der zahlreichen Warnungen aus dem Bekannten- und Familienkreis, dass man an der See immer gegen den Wind fährt. Also – diese Strecke mit Tagesetappen zwischen 50 und 25 km sollte es sein!
Vorbereitung, Planung: Die Damen Müller und Pollmann von der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer kümmern sich freundlich, hilfsbereit (immerhin befinden wir uns im Rentenalter), kompetent, fürsorglich, kurzum perfekt um alles, so dass keinerlei Vorarbeit bspw. über Recherchen im Internet betrieben werden muss. Einfach klasse! Genau so frühzeitig gehen die Gesamtunterlagen ein, und die Vorfreude steigt beim Durcharbeiten derselben. Bald wird auch mit dem Training auf dem Rad angefangen: Das rheinhessische Hügelland ersetzt den Gegenwind.
Ankunftstag: Schon die Fahrt durch den Innenstadtbereich von Varel, unserem Startort, führt zum Wohlgefühl. Backsteinpflaster, blau-weiße Häuserfassaden, roter Klinker, höchstens zweigeschossige Bauweise; der Einstieg ist optimal! Wir unternehmen nach dem ersten Stadtrundgang gleich noch einen Ausflug nach Dangast. Beeindruckend ist die Weite: Die tollen Einfamilienhäuser stehen inmitten von großen, gepflegten Rasenflächen mit Blumengruppen, niemand scheint Angst zu haben vor dem bösen Nachbarn oder vor neugierigen Touristen, es gibt keine blickhemmenden Verbauungen wie Mauern oder große Tore. Und dann der erste Blick auf den Jadebusen. Als Poet könnte man in Reimform ins Schwärmen kommen! Ein schöner Einstieg – morgen starten wir mit der ersten Etappe nach Wittmund. P.S.: Unser Hotel „Friesenhof“ in Varel ist sicher eine der ersten Adressen der Stadt!
Der zweite Tag, 16.09.09: Nach einem ausgiebigen Frühstück – der Gepäckservice ist pünktlich zur Stelle, das funktioniert übrigens während der ganzen Tour hervorragend – starten wir kurz nach 10.00 Uhr bei bewölktem Himmel in Richtung Wittmund: 50 km liegen vor uns; ob wir das schaffen oder unterwegs heimlich öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehmen werden? Und siehe da: Es ist mehr ein Gleiten denn ein Strampeln gegen den Wind. Keine Berge oder Hügel hemmen die Fahrt, alles ist topfeben. Ein weiterer Vorteil: Wir bestimmen selbst unser Tempo, wie weit wir am Stück fahren, wann wir Pausen einlegen oder etwas Interessantes näher in Augenschein nehmen wollen. Nur am Abend müssen am Ziel sein.
Wir brauchen etwas mehr als 5 Stunden. Und der Beweis ist vollbracht: Wenn Engel reisen, lacht der Himmel. Zu Mittag „frisst“ die Sonne alle Wolken, Jacken und Pullover werden überflüssig, und wir fahren bei herrlichem Sonnenschein weiter. Wenn von den Planern beabsichtigt, dann hier ein Sonderlob: Auf der langen Etappe begleitet uns nur Seitenwind, manchmal sogar Rücken-, damit Schiebewind. Landschaft genießen heißt es! Friedlich grasende Kühe und Schafe, sogar ein Reh schaut sichernd aus einem Maisfeld heraus, frische Luft, gepflegte Häuser wohin man schaut. Nur die Teilstrecke zwischen Steinhausen und Zetel stellt einen Test für Fahrräder und Bandscheiben dar.
Das Freibad in Zetel ist Mitte September bereits geschlossen, früher wäre die Chance auf eine Erfrischung sicher lohnend. In Friedeburg „verfranzen“ wir uns, weil wir sicher einen Hinweis mit der blauen Windrose überfahren haben. Dafür entschädigt uns der Jade-Ems-Kanal mit einem Fußbad.
Durch die gute Ausschilderung finden wir bald wieder auf den richtigen Weg nach Reepsholt. Apropos: Wenn Steine reden könnten, was würden uns die von Stiftskirche und Ruine Sankt Mauritius erzählen? Gebäude aus der Romanik, in unruhigen Zeiten wurde Gott um Beistand angefleht, aber die Menschen durften sich auch selbst mit den „Gottesburgen“ helfen als Zufluchtsstätten mit meterdicken Mauern, Schießschartenfenstern zum Trutz vor Angreifern, doch auch irgendwann zerstört. Stundenlange, nie langweilige Geschichten wüssten diese Steine zu erzählen!
Zwischendurch beobachten wir die Maisernte. Natürlich gibt es auch bei uns Lesemaschinen für die Weinberge und Mähdrescher fürs Getreide. Aber durch die Erbteilung und Zerstückelung der Felder sind diese nicht so groß dimensioniert wie hier. In 15 bis 20 Minuten wird ein Hektar großes Maisfeld abgemäht und in gigantische Hänger mit riesengroßen Traktoren als Silage geblasen. Der Technik-Begeisterte ist in seinem Element und möchte noch lange zusehen – doch es geht weiter, etwas mehr als die Hälfte ist erst geschafft.
Es läuft „wie geschmiert“; Wittmund kommt näher, die Entfernungen auf den Wegweisern beweisen es. Und bei der Einfahrt geht dem alten Reserveoffizier der Luftwaffe das Herz auf. Das Jabo-Geschwader Richthofen ist immer noch dort stationiert und die Fiat G91, der Starfighter und die Phantom stehen als Ausstellungsstücke da. Maschinen, welche während der aktiven Zeit als Soldat noch im Einsatz waren. In Esens fallen uns drei Dinge sofort auf: 1. Die gesamte Innenstadt ist mit Backsteinen und Klinker gepflas-tert. Dieses Pflaster glänzt wie gewachst, und dadurch sieht alles äußerst sauber aus. 2. „Der walk of fame“ in der Fußgängerzone beweist, dass schon viele Prominente den Weg hierher gefunden haben. Wann werden wir uns verewigen? 3. Der „Jan-Schüpp-Brunnen“ lehrt uns, nicht alles todernst sondern sich selbst auch einmal humorvoll „auf die Schüppe“ zu nehmen! P.S.: Unser Hotel „Residenz am Schlosspark“ hat seine 4 Sterne allemal verdient!!!
3. Tag, 17.09.09: Von Wittmund nach Carolinensiel: Heute fällt es schwer, das Tagebuch zu schreiben, doch daraufkomme ich gegen Ende. Zunächst juckt nun das Meer und die Themenstellung alte und neue Häfen, obwohl wir mit Dangast und Varel ja schon die ersten beiden gesehen haben. Deshalb machen wir ein bisschen Beschiss und fahren nicht den angegebenen Weg sondern den direkten von Wittmund nach Esens. Natürlich wieder bei bestem Wetter, und das bleibt auch bis zum Ende treu. Dort überrascht uns die Betriebsamkeit: Trotz Mitte September ist die Fußgängerzone sehr belebt. Und wie in unserer Heimat Bingen mit der Maus vom bekannten Mäuseturm am Binger Loch treffen wir hier überall auf den Bären, dem Wahrzeichen von Esens als Bronzefigur oder in allen möglichen Stellungen und Bemalungen. Sicher eine echte Bereicherung des Innenstadtbereichs!
Endlich werden wir konditionell von einer steifen Brise aus NNW gefordert und, wir können die antrainierte Kondition bei der Weiterfahrt über Neuharlingersiel nach Carolinen-siel beweisen. In Neuharlingersiel werden die Fahrräder am Kurhaus geparkt und sofort der Deich erklommen. Da liegt sie vor uns, die Nordsee, im Sonnenlicht glänzend. Nur wenige Kilometer entfernt das Band der ostfriesischen Inseln: Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeook, Spiekerook, Wangerooge. Was haben wir diese vor rund 50 Jahren in der Schule verflucht! Niemand wusste damit etwas anzufangen, aber die Namen mussten im Schlaf von West nach Ost oder umgekehrt aufgesagt werden können. Und der Lehrer hat uns auch nicht die Geheimformel „Welcher Seemann Liegt Bei Nina I(J)m Bett“? verraten – die Anfangsbuchstaben der Inseln.
Beeindruckend die rund um den Hafen angeordneten einladenden Cafes und Restaurants, und dem Binnenländer wird anhand der Hochwasser- und Sturmflutmarken bewusst, in welch latenter Gefahr die Nordländer doch leben, wenn aus der Nordsee die „Mordsee“ wird. Drei Seemänner beim „Klönsnack“ in Neuharlingersiel. Ein echtes Muss ist die gebuchte Fahrt mit dem Raddampfer Concordia II von Carolinensiel nach Harlesiel. Es handelt sich um den Nachbau eines Dampfers, welcher Mitte des 19. Jahrhunderts diese Strecke befuhr. Nostalgie pur, langsames, im Fußgängertempo vorbeigleitendes Panorama, die Hektik und der Stress bleiben auf der Strecke.
In Harlesiel unterbrechen wir unsere Schiffstour und machen eine halbstündige Wattwanderung, barfuß und mit hochgekrempelten Hosen. P.S.: Unser Hotel garni „Friesenhus“ ist noch ziemlich neu, schnuckelig und gemütlich eingerichtet. Wegen der Überbuchung eines anderen Hotels treffen wir auf eine Gruppe netter Menschen aus der Grafschaft Bentheim und erzählen und trinken und erzählen und … an der Bar mit Selbstbedienung, bis es sehr spät und allerhöchste Zeit zum Schlafen wird.
4. Tag, 18.09.09: Jever lockt: Rund 15 km von den 25 km Fahrtstrecke geht es fernab jeglichen Verkehrs auf gut asphaltierten Wegen durch Äcker- und Wiesenflächen. Die Stille hören, die Ruhe genießen, nur gelegentlich unterbrochen durch das sonore Brummen eines Traktors, der auf dem riesigen Feld einsam seine Kreise dreht. Auch hier begegnen uns schier unzählige Windenergieanlagen, so dass sich der Laie fragt, wozu wir eigentlich noch Atomstrom brauchen? Warum wirbt Jever-Pils eigentlich mit dem Slogan „so herb wie das Land“? Das Bier schmeckt sicherlich so, aber das Land hat seine Schönheiten und Sehenswürdigkeiten. Und die Menschen, die uns begegnen sind alles andere als „herb“: Freundlich, höflich, aufgeschlossen. Dem Radfahrer tönt überall das „Moin“ entgegen. Und das haben wir auch gelernt: Der Ostfriese ist ja nicht so blöd, dass er den Mittag und den Abend immer mit einem „guten Morgen“ begrüßt sondern „moin“ ist plattdeutsch und heißt ausführlich „einen schönen Tag“ zu wünschen. Und wer zweimal „moin, moin“ sagt, der redet zu viel!
Wieder erweist sich die Routenbeschreibung als äußerst hilfreich, denn mit ihr hat man gleich alles Wesentliche zur Hand und kann gezielt die individuell interessanten Dinge aussuchen und erkunden. Dass Deutschland Weltmeister bei den Brötchen- und Brotsachen ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Bei der Jever-Brauerei-Besichtigung haben wir noch einen Guinnessrekord vernommen die Biersorten betreffend. Jetzt muss der Leser genau so schätzen wie wir: Es sind … verschiedene Biersorten. Die Antwort: Wenn Sie jeden Tag ein anderes Bier trinken, dann sind Sie nach rund 15 Jahren (!) durch – also etwa 5 000 Sorten. Gleich heute will ich anfangen das nachzuprüfen – ich freue mich auf den erfüllten Lebensabend! P.S.: Unser Hotel „Pellmühle“ ist die Gemütlichkeit pur – ein Jugendstilbau von dessen Einrichtung meine Frau begeistert ist.
5. Tag, 19.09.09: Jever – Wilhelmshaven: Wir fahren eine Tour der Gegensätze über 35 Kilometer. Von Jever aus begleitet uns das Flüsschen Schlachte auf der Hälfte des We-ges nach Hooksiel. Rechts Felder, Äcker, Wiesen, links der Flusslauf, einfach malerisch erst recht bei wolkenlosem Himmel und immer noch sommerlichen Temperaturen. Wir sind überzeugt: Das hängt garantiert mit der super Planung der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer zusammen! Hooksiel mit Binnenhafen, Marina und Außenhafen gibt auch was her.
Und dann der zweite Teil der Wegstrecke: Zwischen Hooksiel und Wilhelmshaven faszinierende Technik pur! Öltanker, tiefliegend voll mit Erdöl machen an den kilometerlangen Brücken fest um ihre Ladung zu löschen. Direkt hinter dem Deich die Raffinerien. Und der Weg führt bis zum Ziel direkt am Ufer des Jadebusens entlang. Wir nähern uns dem Jade-Weser-Port, der größten Baustelle Europas (bis 2012) und sicher dem größten Sandkasten der Welt (wir übertreiben ein bisschen, wenn wir an Katar und Dubai denken). Auf jeden Fall kann es einem schwindelig werden von den Zahlen über Stein-mengen, Sandaufschüttungen, Spundwänden und den erwarteten Containerschiffen, welche z.Z. noch zu groß sind für Hamburg oder Bremen. Wenn durch diese Planungen später wirklich mehr als 2 000 Arbeitsplätze geschaffen werden, ist das sicher langfristig eine lohnende Investition und rückt Deutschland im Containertransport weltweit weiter nach oben. Die Zeiten der Stückgutfrachter sind wohl endgültig vorbei, erfuhren wir unlängst im Hamburger Hafen bei der Besichtigung des Frachters Cap San Diego, also bleibt nur die Anpassung an die Moderne um wettbewerbsfähig zu sein.
Noch schwer beeindruckt von dem Gesehenen und Gehörten geht es weiter quer durch Wilhelmshaven zu unserem Hotel „Maris“. Die maritime Meile mit Seewasseraquarium, Marinehafen und einladenden Cafes ist wohl der schönste Teil dieser Industrie- und Hafenstadt. Morgen geht es wieder zum Startpunkt nach Varel zurück. Unsere Tour neigt sich dem Ende entgegen. Aus dem beabsichtigten Steno-Reisebericht ist letztlich eine Liebeserklärung an Ostfriesland geworden. Der Ehrlichkeit halber sei auch erwähnt, dass sich die „morschen“ Knochen wieder nach Gaspedal, Bremse, Kupplung sehnen und die Hände sich nach dem Autosteuer und nicht nach dem Fahrradlenker.
Aber diese Tour hat uns ganz toll gefallen!
Deshalb ziehen wir dieses Fazit:
1. Die Gesamttour ist seitens der Ostfriesland-Tourismus-GmbH in allen Details bestens vorbereitet und organisiert!
2. Unsere Empfehlung: Die zusätzlichen Bausteine „Besichtigung“ und „Kulinarisches“ gleich mitbuchen, weil sie die Radtour toll ergänzen und eigenes Suchen erspart bleibt. Es setzt dann allerdings ein klareres Zeitraster voraus, damit man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
3. Die Etappen sind so vorgegeben, dass die Ziele leicht zu erreichen sind, genügend Zeit bleibt für eigene Erkundungen und Interessen. Spontan hängten wir noch eine Woche an, um noch mehr Fischspezialitäten zu verkosten, eine geführte Wattwanderung mitzumachen, eine Inseltour nach Baltrum und zu den Seehundsbänken, den Besuch des einen oder anderen Museums,…
4. Alle gebuchten Hotels erfüllen zumindest die Erwartungen, die meisten übertreffen diese! Überall gibt es ein tolles Frühstücksbüffet, so dass der Radwanderer gestärkt seine Tour antritt.
5. Viele weitere Themenstellungen neben den „alten und neuen Häfen“ sind im Programm: Jeder findet sicher etwas für ihn Passendes.
6. Wir kommen wieder im nächsten Jahr!
Christel und Klaus Völker aus Bingen am Rhein.












